Album Review: Mastodon – Marrow Deep

Written by Oskar

Published on 06.10.2026

Mastodon kommen ungewöhnlich früh nach dem Tod ihres prägenden Gründungsmitglieds Brent Hinds in aktualisierter Besetzung zurück. Kann das funktionieren?


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Auf ihrem neunten Album und ihrem ersten Werk seit dem Tod von Gründungsmitglied, Gitarrist, Sänger und Songwriter Brent Hinds, kehren Mastodon ein Stück weit zurück zu ihren Wurzeln. Der umstrittene Hinds hatte seinerseits den wohl größten Einfluss auf das magnum opus der Band, "Crack the Skye" von 2009, gehabt, aber die Band danach auch maßgeblich mit in weitaus weniger erfolgreiche, verdaulichere Hard Rock-Gefilde gesteuert. Für "Marrow Deep" rudern Mastodon in neuer Besetzung zurück. Brent Hinds' Nachfolge treten danbei gleich zwei Musiker an: der Progressive Metal-Gitarrist Nick Johnston und mit João Nogueira erstmalig auch ein Keyboarder.

Trotz der wenigen Zeit, die Mastodon in neuer Formation seit dem Tod von Hinds hatten, kommen sie auf "Marrow Deep" mit einem vollständig entwickelten Profil zurück und liefern so glatt ihr bestes Album seit
"Crack the Skye" ab. Das Albumcover zeigt die drei Moiren aus der griechischen Mythologie, die den Lebenspfaden weben und letztendlich auch durchtrennen. Passend dazu heißt der ausschweifende Closer des Albums "The Three Fates". Aber auch überall sonst finden sich Themen, die sich in das Hauptmotiv der Moiren hineinweben lassen und so für einen starken roten Faden sorgen. Die Singles "Your Ghost Again" und "Snakes for Dinner" lassen sich z.B. direkt auf den tragischen Tod von Brent Hinds.

Und auch sonst durchziehen das Album Songs über Schicksal, Verletzung, Zerstörung und Vergänglichkeit. "Marrow Deep" ist zwar nicht so konzeptionell wie die Klassiker "Leviathan" und "Crack the Skye" aus der frühen Ara der Band, aber erinnert trotzdem auch in dieser Weise an sie. Doch trotz allen Lobes zeichnen die Spuren des Neuanfangs subtil das Album. Die Highlights sind wirklich gut, wie man das von Mastodon gewohnt ist, und sie sind zahlreicher als in den letzten Jahren, während auch viele Deep Cuts zu überzeugen wissen. Dafür haben Mastodon auf "Marrow Deep" einen schwierigen Start; fassen erst mit dem dritten Song und der ersten Single "Your Ghost Again" so richtig Fuß. Auch danach ist nicht jeder Song erinnerungswürdig und strukturell fehlen hier und da Momente zum Atmen, wie "Moth and Bone" oder "In the Ruins".

Insgesamt ist "Marrow Deep" eine klare Rückkehr zu Form für Mastodon. Die neu hinzugekommene Keyboard-Sektion erweitert den Sound der Band um eine psychedelische, symphonisch-proggige
Komponente, die ästhetisch perfekt zum Hauptmotiv der Moiren passt (siehe ELPs "The Three Fates" von 1970). Ein weiteres Highlight ist der Auftritt von Josh Homme (Queens of the Stone Age) im Finale von "Snakes for Dinner", der an seine letzte Zusammenarbeit mit Mastodon auf dem Song "Colony of Birchman" vom Album "Blood Mountain" erinnert. Und auf dem Headbanger "Golden Spires" sticht Neuzugang Nick Johnston mit einem fulminanten Gitarrensolo hervor. Letztendlich werden Mastodon den Erwartungen gerecht und stellen mit "Marrow Deep" einen Anwärter auf das Metal-Album des Jahres.