Written by Oskar Vier
Published on 02.03.2026
Wer Pazifist*in ist, ist Realist*in. Wer es nicht ist und sich trotzdem als Agent des Friedens sieht, ist Idealist*in. Denn wer sich vom Pazifismus abwendet, weil Konflikte komplex, Ausgänge unvorhersehbar o.ä. seien, der versteht nicht die systemischen Ursachen von Gewalt.
Pazifismus ist nicht blind, er ist konsequent. Wo andere moralisieren und spekulieren, aber eigentlich nichts wissen, wissen Pazifist*innen, dass Gewalt und Krieg systemische Notwendigkeiten sind, dass sie Eskalationsspiralen auslösen und historisch noch nie zu einem Ausbrechen aus schlechten in gute Strukturen geführt haben.
Wer mal den einen Krieg rechtfertigt, um dann den anderen zu verurteilen, der macht sich zum Komplizen mit einem System aus Gewalt. Rechtfertigen ist dabei nicht gleichbedeutend mit Erklären oder Verstehen! Gemeint ist vielmehr – nur um ein Beispiel zu nennen – das Abfeiern von militärischer Intervention in anderen Ländern um Regimewechsel herbeizuführen.
Dabei bleibt ein Regimewechsel immer nur ein Regimewechsel – nie ein Strukturwechsel. Und die Strukturen, die sich stattdessen durch die Gewalt ins neue Regime reproduzieren, sorgen dafür, dass die nächste Eskalation schon vorprogrammiert ist.
Als Feind von Gewalt muss man diese darum ganzheitlich ablehnen. Man darf sich nicht im Marginalen und im Moralisieren verlieren, sondern muss den Blick für das große Ganze bewahren. Wer das nicht schafft, verschließt entweder die Augen und wird ignorant, oder wird selber zum*zur Idealist*in; mit dem Glauben daran, dass es doch den guten Krieg geben kann, durch den die Welt oder auch nur ein Land zum besseren Ort würde.