Written by Oskar
Published on 23.07.2026
2026 ist bisher noch nicht eines der besten Musikjahre der 2020er, trotzdem gibt‘s aber ne ganze Menge gute Alben zum Auschecken aus der ersten Jahreshälfte (Januar bis einschließlich Juni – ja, ich bin ein bisschen spät dran). An vorderster Front stehen dabei die folgenden 15. Honorable Mentions gehen außerdem raus an: Lip Critic sowie Mitski!
Genre: Electropop / Electronic Dance Music
Einer der überraschendsten musikalischen Left Turns des Jahres ist wohl Kim Petras’ “Detour”. Mit ihrem dritten Album reißt die nach L.A. migrierte, deutsche Musikerin das Steuer ihrer Karriere rum – inklusive chaotischem Rollout & öffentlichem Streit mit ihrem Label Republic Records. Auf “Detour” probiert sich Petras in vielen aktuell populären Richtungen des Electropop, EDM & Hyperpop aus – oft mit Erfolg & viel Attitüde, auch wenn das Album insgesamt eher unzusammenhängend wirkend bleibt.
🥇 I Like Ur Look
🥈 101
🥉 Polo
Genre: Disco / Dance-Pop
Mit “Superbloom” macht Jessie Ware ihre (Nu-)Disco Album-Trilogie perfekt und wagt sich dabei einmal hinein in neue Gefilde innerhalb dieser Genre-Grenze. Diesmal bietet das Endergebnis noch organischere, epischere & orchestralere Instrumentationen gepaart mit Wares bisher wohlmöglich persönlichsten Texten in der aktuelle Ära ihrer Musik. Trotzdem fällt “Superbloom” vom Niveau her klar ab im Vergleich zu den beiden Vorgängern.
🥇 Ride
🥈 No Consequences
🥉 Sauna
Genre: East Coast Hip Hop / Jazz Rap / Drumless
Er ist Koch. Er ist Rapper. Er malt süße Frösche. Action Bronson! “Planet Frog” ist vielleicht das glückselig machendste Album der ersten Jahreshälfte. Eine große Rolle dabei spielt der Album-Tag: “You have now entered planet frog”, der immer wieder abgespielt wird. Wichtig sind aber natürlich auch die cleveren, humorvollen Texte von Action Bronson & die souligen, sommerlichen Instrumentals. Falls ihr mal was zum gemütlichen Chillen oder für die gute Laune braucht, dann ist “Planet Frog” euer 2026er Album.
🥇 LEBRON HENNESSEY
🥈 PEPPERS
🥉 TRICERATOPS
Genre: Metalcore
“Love Is Not Enough” ist das erste von zwei Alben, die die Genre-Legenden von Converge in diesem Jahr veröffentlicht haben. 10 Songs & 31 Minuten – das ist alles, was die Band hier braucht, um einen vollkommen in den Bann zu ziehen und jegliche Vorurteile & Skepsis gegenüber dem Genre Metalcore vergessen zu machen. Natürlich passiert das mit fantastischer performter & produzierter Nonstop-Action an der instrumentellen Front; Kern des Albums sind aber eigentlich die Texte, die den Zustand der Welt scharf & abstrakt, poetisch pointiert kommentieren.
🥇 Love Is Not Enough
🥈 We Were Never the Same
🥉 Amon Amok
Genre: Dance-Pop / Synthpop
Es ist schwierig dieses Jahr ein Pop-Album zu finden, das melodisch so befriedigend ist oder so lyrisch erfrischende Spins auf Tropes sinnlicher Popmusik bietet, wie “Sexistential”. Insofern ist das hier eine absolute Masterclass von Robyn, die als Genre-Veteranin schon mit “Body Talk” den Synthpop der 2010er geprägt hatte. “Sexistential” wird zwar in keiner Weise einen solchen Einfluss entfalten können – trotzdem ist es das bessere Album, was es einer extrem tighten Tracklist zu verdanken hat.
🥇 Dopamine
🥈 Really Real
🥉 Talk To Me
Genre: Progressive Folk / Chamber Pop
Vor 2 Jahren hat sich eine der aufregendsten & besten Rockbands der 2020er aufgelöst: black midi. Seitdem sind die 3 Bandmitglieder in unterschiedlichen musikalischen Projekten involviert. Geordie Greep mit “The New Sound” 2024, Morgan Simpson mit Invariance 2025 & jetzt Cameron Picton und seine neue Band Believe – Art Rock, Jazz Fusion, Progressive Folk. Für “My New Band Believe“ hat Picton ein großes Ensemble an Musiker*innen zusammengestellt & spielt sich mit ihnen durch wundervoll märchenhaft instrumentierte Folksongs voller Wendungen, Geschichten und Details.
🥇 Love Story
🥈 Target Practice
🥉 Heart of Darkness
Genre: Art Pop / Neo-Psychedelia
Gorillaz sind wieder in Höchstform. 16 Jahre nach ihrem letzten Meisterwerk “Plastic Beach” haben Damon Albarn & Jamie Hewlett ihren Ehrgeiz, die Entdeckungslust, den Experimentalismus & den Konzeptcharakter dieses Albums endlich wiederentdeckt & neu kanalisiert in eine spirituelle Reise, die sich mit Tod und Sterblichkeit auseinandersetzt. Inspiration war für beide der Tod ihrer Väter. Neben tiefgründig traurigen Songs klingt “The Mountain” aber trotzdem oft verträumt, verspielt & vertanzt, was auch der reichen Featurelist zuzuschreiben ist.
🥇 The Moon Cave
🥈 The Happy Dictator
🥉 Damascus
Genre: Dariacore / Hard Dance
Jane Remover ist 2026 weiterhin auf einer absoluten Release-Streak. Unter ihrem Alias leroy hat JR dieses Jahr endlich ein neues Album vorgelegt & sampled sich dabei im noisy Hard Dance-Gewand durch einen Haufen der besten Musik der letzten Jahre und darüber hinaus – sei es Pop (z. B. Ninajirachi, PinkPantheress, Olivia Rodrigo) oder Metal (Knocked Loose und Deftones). “status update music” ist damit als Titel sehr wörtlich über den Stand von JRs Leben hinaus auf die ganze Pop-Musikszene zu beziehen.
🥇 IF YOU THINK I'M A BITCH, YOU SHOULD MEET JANE REMOVER
🥈 …LIKE WATCHING A ZOMBIE TURN
🥉 #BOYLETMEKNOW
Genre: Indie Rock
2026 war bis jetzt kein Jahr für Indie Rock. Die Ausnahme bildet das 2. Album von Friko. Stilistisch bezieht sich das vor allem auf klassische Genre-Acts aus den ‘90ern & ‘00ern wie Radiohead oder Arcade Fire. Hervorstechen tun Friko in 2026 nicht nur damit, sondern auch mit ihrem jugendlichen Spirit, leidenschaftlichen Vocals & roher Emotionalität – sei es über die Welt, zwischenmenschliche Beziehungen oder über einige Fahrzeuge, wie ihr “Dear Bicycle”, den “Choo Choo” oder einen “Hot Air Balloon”.
🥇 Something Worth Waiting For
🥈 Choo Choo
🥉 Guess
Genre: Atmospheric Sludge Metal / Post-Metal
Genauso wie es Titel & Albumcover vermuten lassen, fühlt sich dieses Album an: düster, erdrückend, apokalyptisch. In sieben epischen Songs zwischen 5 ½ & 17 Minuten Laufzeit spielen sich Neurosis abwechselnd durch langsam groovende, brachiale Riffs & fast schon schöne, meditative Gitarrenparts. Es zieht sich ein Determinismus durch dieses Album; eine wütende Verzweiflung – und dementsprechend klingt alles schon nach der kargen Einöde, in die der menschen- und kapitalismusgemachte Klimawandel uns & die Welt hineinsteuert.
🥇 First Red Rays
🥈 Blind
🥉 Mirror Deep
Genre: Pop Rock / Singer-Songwriter
Mit “you seem pretty sad for a girl so in love” scheint Olivia Rodrigos Musikkarriere den Übergang in eine neue Phase ihres Schaffens zu nehmen, denn was das Album vor allem auszeichnet ist eine musikalische Ausdifferenzierung mit Einflüssen von Baroque Pop, New Wave & Jangle Pop sowie ein krasser Sprung vorwärts in ihrem Songwriting. ORs Songs waren schon immer tagebuchartig erzählerisch und sehr nahbar, doch diesmal hebt sie das Ganze auf ein neues Level. Erzählt in zwei Akten präsentiert uns Rodrigo den Aufstieg und Fall einer großen Liebe.
🥇 the cure
🥈 stupid song
🥉 u + me = <3
Genre: Art Pop / Chamber Pop
5 Jahre nach ihrem vielversprechenden Debüt legt Singer-Songwriterin & Cellistin Kelsey Lu endlich ihr zweites Album nach & schafft mit dem fast neunminütigen Opener direkt einen der besten Songs des bisherigen Jahres. Darauf folgen Explorationen verschiedener Stränge des Art Pop, die allesamt gelingen. Man hört da Einflüsse von Kate Bush, Sade, Björk, Julia Holter, Florence + the Machine, Aurora, Billie Eilish, FKA twigs…, die zusammenfließen in eine mal subtil, mal aggressiv theatralische Klangwelt voller Düsternis & ätherischer Verträumtheit.
🥇 Reaper
🥈 Running to Pain
🥉 Comfort
Genre: Experimental Hip Hop / Abstract Hip Hop / Glitch Hop
Nach dem tragischen Tod von Groggs ist aus der dreiköpfigen Experimental Hip Hop-Band Injury Reserve ein Duo geworden. Durch “My Ghosts Go Ghost” zieht sich die Trauer um den Verlust eines Freundes & musikalischen Partners – eingebettet in die Probleme des Lebens, die trotzdem nicht auf einen warten. Die Atmosphäre bleibt das ganze Album über gedrückt, fast unheimlich. Teilweise wird mehr gesungen als gerappt & auch musikalisch mischen sich hier Glitch Hop, Folktronica & Psychedelia zu einem ambienten, größtenteils ruhigen Album. Genau in dieser Ruhe liegt aber die große Kraft von “MGGG”, das so zum emotional ergreifendsten Album der ersten Jahreshälfte wird.
🥇 Zig Zag
🥈 Can I Have You For Myself?
🥉 Double Trio 2
Genre: Electroclash / Electropop
Ein maximalistischer Do-or-Die-Ritt durch all die Pop- und Clubmusik, die Slayyyter nostalgisch macht – und die so das ‘worst girl in America’ zu dem gemacht hat, was sie heute ist: laut, ungestüm und vielleicht ein bisschen größenwahnsinnig. Aber “WGIA” kann auch mehr als das: Zwischen Sex, Drogen, Parties und Status blitzt immer wieder eine unerwartet melancholische Sad-Girly-Pop-DNA durch, die dem sonst bewusst eindimensionalen Hedonismus des Albums die nötige Tiefe verleiht.
🥇 CRANK
🥈 BEAT UP CHANEL$
🥉 BRITTANY MURPHY.
Genre: Electropop / Electronic Dance Music / Glitch Pop
Bisher hat sich underscores irgendwo zwischen Emo, Indie Rock & Hyperpop bewegt – und das mit viel Noise und abstrakten Konzepten. Auf “U” wagt April Harper Grey den Schritt raus in die Welt des zugänglichen Electropop & paart das mit ihren persönlichsten Texten bisher. Neben euphorisierenden EDM-Songstrukturen & viel glitchy Soundkulissen experimentiert sie dabei mit Atmern als rhythmisches Element, was die Songs nur noch intimer & sexier werden lässt. “U” ist über seine 9 perfekten Popsongs nicht weniger als eine Offenbarung.
🥇 The Peace
🥈 Tell Me (U Want It)
🥉 Bodyfeeling