
Written by Oskar
Published on 20.08.2026
Nach über 10 Jahren Pause gründen sich Swans 2009 für eine Tour mit neuer Besetzung neu. Mit der sog. “Big Sound”-Trilogie folgen drei der ikonischsten Experimental Rock-Alben aller Zeiten.
Nach über 10 Jahren Pause gründen sich Swans 2009 für eine Tour mit neuer Besetzung neu. Die Band formiert sich um Frontmann Michael Gira. Ihr erstes Album in ihrer zweiten Inkarnation ist in jeglicher Hinsicht lediglich ein Warm-up, denn mit der sog. “Big Sound”-Trilogie folgen darauf drei der ikonischsten Experimental Rock-Alben aller Zeiten.
Drei Alben, sechs Discs mit fast sechs Stunden Musik, 13 Songs mit über 10 Minuten (bishin zu 35 Minuten) Laufzeit …
Die Cover schmückt jeweils ein solitäres Motiv im Zentrum des Bildes auf einem unifarbenen Hintergrund. Und dabei zeichnet sich eine Entwicklung ab: vom Monströsen über das Kindliche hin zum Transzendentalen.
“The Seer” ist das kontrastreichste und experimentellste Album der “Big Sound”-Trilogie. So folgen auf die Noise-Eskapade von “93 Ave. Blues” die Folksongs “The Daughter Brings the Water” und “Song for a Warrior”. Das himmlische “A Piece of the Sky” wird kontrastiert mit dem höllischen Albumfinale “Apostate”. Diese Differenziertheit spiegelt sich auch in den Titellängen wider: Von kurzen 2-bis-5-Minütern bishin zum über 32-minütigen Titelsong ist alles dabei. Vor allem der Start des Albums wird dem Cover gerecht. Im mehrstimmig arrangierten Opener “Lunacy” wird der Wahnsinn beschworen und das Ende der Kindheit proklamiert. In “Mother of the World” zeugt die Sonne (ein zentrales Motiv der “Big Sound”-Trilogie) das titelgebende Geschöpf, das in “The Wolf” und “The Seer” in einen Wolf hineinfährt, diesen tötet, seinen Körper übernimmt und transformiert. “The Seer” ist eine religiös-okkulte Erfahrung. Disk 1 erforscht vor allem das Animalische im Menschen und die menschengemachte Apokalypse, während Disk 2 nach der Erlösung des Individuums in der Spiritualität sucht.
Wo “The Seer” beschäftigt war mit dem Animalischen, Monströsen – einer naturgegebenen, geistig-spirituellen Düsternis – bringt “To Be Kind” die Musik von Swans auf ein menschlicheres, physischeres Level. Aus böser Energie wird Aggression und Explosivität. Eine direkte Evolution gibt es zwischen dem Song “The Seer” und seinem halbstündigen Pendant von “To Be Kind”, “Bring the Sun / Toussaint L’Ouverture”. Nicht nur funktioniert dieser halbstündige Song besser, er ist auch überhaupt erst aus Live-Jams von “The Seer” hervorgegangen.
Statt Neofolk, Post-Rock und Drone beziehen sich Swans auf “To Be Kind” mehr auf Noise Rock und Totalism. D.h. unter’m Strich: mehr Grooves und mehr Tempo. Und so gleichen sich hier die langen Songs mit kürzeren, ebenso effektvollen Rocksongs aus. “To Be Kind” ist ausbalancierter; das Pacing stimmt zu jeder Zeit.
Dabei helfen auch die Vocal Performances von Michael Gira, der auf “To Be Kind” mehr in den Vordergrund rückt, sich wilder und expressiver stimmlich ausdrückt.
Some Things We Do
“The Glowing Man” ist das große Finale der Trilogie und genauso fühlt es sich auch an. Mit der kürzesten Tracklist und gleich zwei Songs von über 25 Minuten Länge, aber auch einem wieder weiterentwickelten Klangprofil. Das Album beginnt mit zwei Gebeten, “Cloud of Forgetting” und “Cloud of Unknowing”, und endet mit der letzten Evolutionsstufe von “The Seer” und “Bring the Sun / Toussaint L’Ouverture”, dem Titelsong “The Glowing Man”, indem Swans die verstörende Energie der beiden Epen umleiten in ein erlösendes, transzendentales Stück, sowie dem passenderweise mit “Finally, Peace” betitelten Closer.
Aus der Trilogie ist “The Glowing Man” das wohl ruhigste, meditativste und spirituellste Album und damit der perfekte Abschluss.
Mit “Frankie M” und “When Will I Return?” finden sich trotzdem zwei der tragischsten Song auf “The Glowing Man”. Ersterer Song behandelt eine gleichnamige an Drogensucht verstorbene Person und zweiterer, gesungen von Michael Giras Frau, Jennifer Gira, handelt von ihrer Vergewaltigung.
When Will i Return?